Lohn-Geiz


IG BAU empört über „Lohn-Geiz“ bei Teilzeit-Beschäftigten
Arbeitgeber scheuen Überstunden-Zuschläge – Reinigungskräfte durch Kündigung provoziert

Arbeitgeber schicken 650.000 Reinigungskräfte in ungewisse Zukunft: Mit scharfer
Kritik hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) auf die Kündigung des
Rahmentarifvertrags für die Gebäudereiniger-Branche am heutigen Donnerstag
reagiert. Der Schritt des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks
sei „eine Provokation und ein Schlag ins Gesicht der Reinigungskräfte in
Deutschland“, sagte Ulrike Laux vom Bundesvorstand der Gebäudereiniger-
Gewerkschaft IG BAU. „Damit ist jetzt völlig offen, wie die Arbeitsbedingungen – von
der Arbeitszeit bis zum Urlaub – für Hunderttausende Beschäftige künftig aussehen.“

Vor allem gehe es den Arbeitgebern um die Bezahlung von Überstunden –
insbesondere bei Teilzeitkräften. Der bisherige Rahmentarifvertrag sieht bei
Mehrarbeit für Vollzeitbeschäftigte einen Zuschlag von 25 Prozent des Stundenlohns
vor, so die IG BAU. „Nachdem das Bundesarbeitsgericht entschieden hat, dass auch
Teilzeit-Beschäftigte Anspruch auf diesen Zuschlag haben, ist die Absicht der
Arbeitgeber klar: Sie wollen an die Zuschläge ran – und damit Reinigungskräfte um
das bringen, was ihnen zusteht.“ Denn Überstunden seien in der Gebäudereinigung
– gerade bei Teilzeitkräften – an der Tagesordnung.

Zwischen Gebäudereiniger-Gewerkschaft und Bundesinnungsverband rumort es seit
langem: „Die Arbeitgeber weigern sich seit Monaten beharrlich, über bessere
Arbeitsbedingungen in der Branche zu verhandeln. – Und das bei steigenden
Jahresumsätzen von zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro“, so Laux. Nach der
Kündigung des Rahmentarifvertrags erwartet die IG BAU „extremen Unmut unter den
Beschäftigten“.

Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft fordert den Bundesinnungsverband schon seit
langem zu konstruktiven Gesprächen auf: „Die Beschäftigten verlangen mehr
Anerkennung für ihre harte Arbeit. Dazu gehört auch, dass Fachkräfte richtig bezahlt,
Berufserfahrung honoriert und die Aufstiegschancen verbessert werden – genauso
wie die generelle Einführung von Weihnachtsgeld“, so Laux. Außerdem müsse sich
der Verbleib in der Branche durch einen „Treue-Bonus“ bezahlt machen, fordert die
IG BAU. Nur so lasse sich die hohe Fluktuation durch das Abwandern von
Fachkräften und der Verlust von Branchen-Know-how stoppen. Der
Bundesinnungsverband habe Forderungen der IG BAU dazu bislang jedoch strikt
abgelehnt.

„Den Rahmentarifvertrag wegen des Überstundenzuschlags jetzt zu kündigen, damit
provozieren die Arbeitgeber genau das Gegenteil: Sie riskieren, die Jobs in der
Branche aus purem Lohn-Geiz noch einmal unattraktiver zu machen“, so Ulrike
Laux. Die Friedenspflicht zwischen IG BAU und Innungsverband endet am 31. Juli.
„Bis dahin wird die Wut der Beschäftigten weiter wachsen. Sie werden ihrem Ärger
bei betrieblichen und öffentlichen Aktionen in den nächsten Wochen Luft machen“,
kündigte Laux an.