Befristete Jobs


IG BAU will Befristungen per Gesetz eindämmen
Leipzig: Job auf Zeit für 37.500 Beschäftigte

Ihr Job hat ein Verfallsdatum – und das oft ohne jeden Grund: In Leipzig haben derzeit rund 37.500 Beschäftigte einen befristeten Arbeitsvertrag. Das sind 13,9 Prozent aller Arbeitnehmer in der Stadt, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mitteilt. Die
Gewerkschaft beruft sich dabei auf Angaben aus dem aktuellen Mikrozensus. „Es kann nicht sein, dass Unternehmer trotz der guten Lage am Arbeitsmarkt weiterhin so stark auf Befristungen setzen. Die Bundesregierung muss jetzt mit ihrem Versprechen Ernst
machen und Zeitverträge per Gesetz eindämmen“, fordert Bernd Günther von der IG
BAU Nord-West-Sachsen.

Anders als bei einer Schwangerschaftsvertretung oder einer Probezeit gibt es nach Beobachtung der Gewerkschaft häufig keine zwingenden Gründe für eine Befristung „Gerade Berufsanfänger werden gern mit einem Job auf Zeit abgespeist. Sie müssen sich von Stelle zu Stelle hangeln“, kritisiert Günther. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren im vergangenen Jahr bundesweit 38 Prozent aller Neueinstellungen befristet.

„Wer als Berufsstarter eine Familie gründen oder einen Kredit für die eigene Wohnung
oder fürs Auto bekommen will, der braucht keine Zitterpartie, sondern einen sicheren
Job“, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Die Gebäudereinigung zähle zu den Branchen,
in denen Befristungen besonders verbreitet seien. Gerade Frauen litten hier unter
wackeligen Arbeitsverhältnissen. „Statt des Prinzips Heuern und Feuern braucht es eine
verlässliche Personalplanung“, so Günther weiter.

In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und SPD festgeschrieben, Befristungen ohne konkreten Sachgrund – wie etwa eine Elternzeitvertretung – einzudämmen. In Betrieben
mit mehr als 75 Beschäftigten sollen solche Zeitverträge demnach künftig auf maximal 2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will dazu noch vor der Sommerpause einen Gesetzentwurf vorlegen. Bislang ist die Befristung eines Arbeitsvertrages ohne sachlichen Grund prinzipiell bis zu zwei Jahre lang erlaubt. In diesem Zeitraum kann ein befristeter Arbeitsvertrag in der Regel maximal
dreimal verlängert werden.

Die Uhr läuft: Befristete Jobs sind gerade unter Berufsstartern verbreitet. Das soll sich ändern,fordert die IG BAU. Die Gewerkschaft ruft die Bundesregierung auf, Zeitverträge gesetzlichzurückzudrängen.