Krankenstand


IG BAU: Stress und Überstunden lassen Krankenstand steigen
Leipziger Beschäftigte im Schnitt 19 Tage krank im Jahr

Grippe zum Winterende, Rückenbeschwerden, Unfall am Arbeitsplatz: In Leipzig
waren Beschäftigte im vorletzten Jahr durchschnittlich 19 Tage lang
krankgeschrieben. Das geht aus der Statistik der Betriebskrankenkassen (BKK)
hervor. Auf deren Gesundheitsreport hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)
verwiesen. Der Krankenstand – also der durchschnittliche Anteil der
Krankgeschriebenen pro Tag – lag hier zuletzt bei 5,2 Prozent. Damit liegt die Stadt
über dem bundesweiten Schnitt von 4,9 Prozent.

Nach Einschätzung der IG BAU geht ein wachsender Teil der Krankmeldungen auf
eine höhere Arbeitsbelastung zurück. „Die gute Konjunktur und fehlende Fachkräfte
sorgen dafür, dass Überstunden immer häufiger zum Normalfall werden. Doch
Termindruck und Stress machen auf Dauer krank“, sagt Bernd Günther von der
IG BAU Nord-West-Sachsen. Wer ohnehin am Limit arbeite, der sei auch anfälliger
etwa für eine Erkältung.

„Gerade im Baugewerbe ist die Arbeitsbelastung wegen der vielen Aufträge derzeit
enorm. Und in der Reinigungsbranche ist es gang und gäbe, dass Beschäftigte
regelrecht im Wettkampf gegen die Uhr putzen müssen“, so Günther. Hinzu kommt:
Dort, wo der Arbeitsdruck hoch ist, gehen nach Beobachtung der Gewerkschaft viele
Beschäftigte auch dann zur Arbeit, wenn sie krank sind. In einer aktuellen
Untersuchung des DGB gaben bundesweit zwei Drittel der Befragten an, trotz
Krankheit gearbeitet zu haben.

Mit Sorge beobachtet die IG BAU außerdem die Zunahme von Fehltagen aufgrund
psychischer Erkrankungen. „Wer etwa unter Depressionen oder Alkoholsucht leidet,
der fällt oft gleich für mehrere Wochen aus“, betont Günther. Um solche Krankheiten
zu erkennen, sei ein offenes und kollegiales Miteinander im Betrieb unverzichtbar.
Dies dürfe nicht dem Arbeitsdruck geopfert werden. Wichtig sei hier insbesondere die
Arbeit der Betriebsräte. „In Unternehmen, die eine Arbeitnehmervertretung haben, sind
die Beschäftigten zufriedener und seltener krank“, so Günther.

Nach BKK-Angaben fehlten Beschäftigte in Sachsen 2017 durchschnittlich an
20,6 Tagen wegen Krankheit im Job. Vier Jahre zuvor waren es noch 18,9 Tage.
Bundesweit lag die Arbeitsunfähigkeit im Schnitt bei zuletzt 17,7 Tagen pro Jahr.

Die Zahl der Erkältungen steigt zum Ende des Winters an. Aber viele Krankentage gehen auch auf dasKonto von Stress und hoher Belastung im Job, so die IG BAU